Gedichte von Hans Marte

Sandrose

fingerleichte
tropfen
trinkt mein mund
fingerbleiches
klopfen
findet grund

fingerzartes
tasten
bis der duft erwacht
fingerwarmes rasten
nach ertrunk´ner nacht

fingerrosa
frühe
am weißen Baltikum
fingerfeuchte kühle
fällt auf unser ruh´n.

Sybille

Geheimnis aus englischen Ulmen,
das Deine Augen umfließt.

Margueriten der Nacht,
ihre Wimpern wissen den Tod
                                        lange voraus –
wie der Vogel im Eissturm
und sie zittern wie Licht aus der Ferne.

An Deinem Gesicht
friere ich nicht.
Ich lausche mit ihm in das Heulen der Winde,
ich staune mit ihm in das Rollen der See
und warte und warte.

Scherben am Strand,
Scherben wie Sand
Warum nicht Tränen?

Von lächelnden Lippen
trinke ich Angst.
Nun bin ich bereit
                        zu verlassen.

Das Tuch Deiner Hände
kühlt mein Stirn,
die schmerzt von Gedanken.

es führt kein Weg –

Kein Tag ohne Nacht.
Kein Meer ohne Strand.
Nicht Glück ohne Leid
Verdammung
Dein Name ist Vergangenheit!

Liebe,
         Du bist das Jetzt.

Die Zigarette

Zwei kleine Lippen halten
mit zartem Druck ein Ding.
Sie kräuseln sich zu Falten
ein roter runder Ring.

Das weiße Ding erglüht nun.
Ihr Mund haucht blauen Duft.
Mein Auge tränt. Ist’s Rührung?
Nein, nur die scharfe Luft!

Ich schau´ ihr zu und sinne:
Wie glücklich, wer’s verdient,
so langsam hinzuglimmen
für etwas, das man liebt!

                                      Hamlet
                                      August 1959

Die Yalta-Story

Nicole nieste einen Floh
in einem Städtchen „Nirgendwo“.
Er hatte Füßchen winzig klein,
und Händchen hatte er, soo fein.
Einen Fleck aus Schokolade
trug er an der linken Wade.

Frisch und froh dort angekommen
hat er einen Satz genommen,
vom Marktplatz auf die Kirchturmspitze.

Dort sitzt er in der Mittagshitze
und schaut sich an die schöne Welt,
die ihm außerordentlich gefällt.
Tief tief unten und weit weg
liegt der WEISSENREUTEWEG.

Dort auch sieht er Nicole steh´n
und vor Jammer fast vergeh´n,
denn sie glaubt, das arme Kind,
seine Weg zurück nicht find´t.Der Floh er fühlt sich riesengroß
die ganze Stadt ein Spielzeug bloß.
Nicole scheint so winzig klein
gerade so ein Floh zu sein.

Da wurde es dem Floh zu warm,
er sprang, schon braun am Arm,
mit einem Satz ins Schwarze Meer.
Dort schwimmt er pustend jetzt umher,
ganz so als ob er Nicole wär´.
Nun lebt sie wieder froh und keck
dort am Weissenreuteweg!

                                               doesn’t she!?

                                                         Papai und Boris fecunt
                                                         Yalta im Juli 1978

Kaffee ohne Schlag

                            oder
                   Der Bund.

Durch meine Hände
rann die Welt
wie Sand.
An Dir ging ich zu Ende.

Ich koste mit schönen,
erhab´nen Ideen,
mit ihnen lebte und wollt´ ich vergehn.
An Dir Gin ich zugrunde.

Den breiten Strom der Transzendenz
durchmaß mit kühner Eloquenz
mein Geist.
Ich weiß,
… zum Lebensbunde.

Ich schlang
rang
blähte.
Ich war ein Mann,
der gähnte,
bis Irene Besser
kam mit einem Küchenmesser
und schnitt behend
für mich aus jedem Kontinent
ein Stück,
mit Temperament
und fertig war mein Apartment.

Da sitz ich nun bei meinem Weibchen,
hab´ es lieb
und denk mein Teilchen.
Mein Sohn bläst eine Seifenblase.
Sie zerplatzt mir auf der Nase.                            

                                                                            Hamlet 20.5.61 Danke für 4
                                                                  Zimmer Köstlichkeiten und
                                                         Kaffee mit Schlag

Die Mühle

Er war ein Schaf
und fraß das Gras,
das and´re fraßen.

Es wuchs die Wolle,
er war eine Knolle
unter anderen Schafen.

Die Sonne schien friedlich
es war so gemütlich
und so appetitlich
nichts and´res zu machen.

Er nahm sie nicht wahr
die große Gefahr  –
die M ü ü h l e.

Es kam ein Wind,
er kam so geschwind.
Es gab in der Menge
der Schafe Gedränge –
da traf ihn der Flügel
der M ü ü h l e
und riß ihn heraus
und warf ihn weit weg.
Nun frißt er das Gras an einem anderen Fleck.

                                                                            -let  april 69

Avoir ou être  (zur Firstfeier)

Aller Klugheit letzter clou
spitzt sich auf die Frage zu:
Worauf sein Wünschen konzentrieren?
Wie sein Leben konjugieren?
Mit avoir ou être?

Ob Clochard ou maître,
jeder denkt sich, hätt´ er
noch ein bißchen mehr,
er zufried´ner wär´.
So leben wie die Raben
gewöhnen sich ans Haben
und türmen um sich auf,
Sand und Blech und Bauch.

Den Jungen lehren´s die Väter:
avoir statt être!
Wichtig ist, man hat.
Für Freiheit gibt´s Mengenrabatt.

Drum glaubt nicht an die Verräter!
Wer liebt, konjugiert mit être.
Wer zählt, bleibt ewig allein.
Drum turn dich vom Haben zum Sein.

                                        Euer Hamlet
                                                    aus dem Krankenhaus
                                                                               Feb.80

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